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Was eine Atemtherapie bringen kann

Berlin (dpa/tmn) - Einatmen, ausatmen. Das machen wir unwillkürlich, es ist ein Grundbedürfnis. Ohne Atmen kein Leben. Wie existenziell es ist, wird einem klar, wenn die Luft nicht mehr wie selbstverständlich durch den Körper strömt.

Bei der Lungenkrankheit COPD etwa, bei der die Atemwege entzündet und dauerhaft verengt sind. Hier, aber auch bei anderen Beschwerden, kann eine Atemtherapie womöglich helfen.

«Dabei lernt ein Patient unter therapeutischer Anleitung, den freien Atemfluss bei sich zu fördern beziehungsweise die Atemräume im Körper zu erweitern», erklärt die Atemtherapeutin Annechien Ihnen aus dem Vorstand des Berufsverbands für Atempädagogik, Atemtherapie sowie Atempsychotherapie, ATEM.

Verschiedene Ansätze

Atemtherapie ist nicht gleich Atemtherapie. Bei der physiotherapeutischen Atemtherapie lernen zum Beispiel COPD-Patienten, ihre Atemmuskulatur zu stärken. Zudem werden - wie bei anderen Arten von Atemtherapien auch - Körperhaltungen geschult.

Der «Kutschersitz» ist eine davon. Dafür platziert man sich leicht breitbeinig auf der vorderen Hälfte eines Stuhls. Mit den Ellenbogen stützt man sich jetzt auf den Oberschenkeln oder einem Tisch ab. Mit geradem Rücken wird der Kopf leicht nach vorn geneigt und möglichst bequem gehalten. Diese Körperhaltung kann dazu beitragen, dass das Luftholen für Patienten einfacher wird.

Einen anderen Weg wählt die Atempsychotherapie. «Hierbei werden Atemmuster in Beziehung gesetzt zu Ängsten, Belastungen oder Störungen», erläutert Ihnen.

Den Atem durch Griffe anlocken

Bei Atembehandlungen können Therapeutinnen und Therapeuten auch Griffe oder Streichungen anwenden oder Druckpunkte stimulieren. Etwa, um den Atem «zu locken», so Ihnen. «Insgesamt aber ist die Behandlung entsprechend der Resonanz des Behandelten ein offener Prozess.»

Wo angesetzt werden muss, um den Atem in seinem freien Fluss zu unterstützen, ist individuell sehr verschieden. «Wer spektakuläre Heilerfolge sucht, liegt mit der eher sanft arbeitenden Atemtherapie allerdings falsch», sagt die Expertin. Manche Atemtherapeuten bieten Atemmassagen an. So können etwa Verhärtungen im Bindegewebe mit Einfluss auf die Atmung gezielter gelöst werden.

Der Internist und Naturheilkundler Rainer Stange vom Immanuel Krankenhaus Berlin ist davon überzeugt: «Eine Atemtherapie kann das Wohlbefinden vieler Patienten verbessern und auch gezielt Beschwerden lindern.» Da Rippen oder Brustwirbel durch Übungen beweglicher werden und das Zwerchfell gedehnt wird, ist es möglich, dass auch chronische Schmerzen nachlassen.

Allerdings: «Die wissenschaftliche Studienlage, dass diese positiven Effekte tatsächlich eintreten, ist dünn», sagt Stange, der auch als Präsident des Zentralverbands der Ärzte für Naturheilverfahren und Regulationsmedizin (ZAEN) tätig ist.

Stange beschreibt eine allgemeine Übung: Sich aufrecht hinsetzen, eine Hand auf den Bauch, die andere auf die Brust legen. Tief durch die Nase einatmen und langsam in Gedanken bis fünf zählen. Dabei soll sich der Bauch nach vorn wölben, der Brustkorb bewegt sich möglichst nicht. Dann stoßartig fünf Mal hintereinander durch den Mund ausatmen. Die Übung fünfmal wiederholen.

Geduld bei der Therapie gefragt

Wer mit gezielten Atemübungen sein Wohlbefinden steigern oder bestimmte Beschwerden lindern möchte, sollte Geduld mitbringen. «Am besten sollten die atemtherapeutischen Verfahren regelmäßig und über längere Zeiträume angewendet werden», empfiehlt Therapeutin Ihnen.

Die Kosten für eine ärztlich verordnete physiotherapeutische Atemtherapie übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung. Bei anderen ganzheitlichen Ansätzen kommt es auf die einzelne Kasse an.

Egal, ob man nun eine Atemtherapie in Kursen macht oder als Einzelstunde nimmt: Auf die jeweiligen Bedürfnisse abgestimmte Übungen kann man ohne weiteres zu Hause anwenden. Ihnen: «Oft ist es auch vorgesehen, dass die Übungen in Eigenarbeit fortgesetzt oder für das individuelle Notfallköfferchen innerlich bereitgehalten werden.»

© dpa-infocom, dpa:210105-99-906841/2


Text: dpa / Bild: Christin Klose (dpa) (06.01.2021)